Neue Burg thront über Teufen

10.05.2022 | Sepp Zurmühle
wieselburg (21)
Fotos: Sepp Zurmühle

Sepp Zurmühle

Am Samstag, 7. Mai, – bei idealem Bauwetter – trifft sich ein kleines Grüppchen Naturfreunde zur Fertigstellung der angefangenen Wiesel- und Eidechsenburg auf der Egg, hoch über Teufen. Zwei «Türme», verschiedene Eingänge und zwei «Attika-Wohnungen» mit Dachterrassen bieten verschiedenen heimischen Tierarten ideale Versteck- und Lebensbedingungen.

Nächste BiodiversiTAT

Bei der nächsten BiodiversiTAT heisst es früh aufstehen. Am Sonntag 29. Mai gehen wir auf Vogel-Exkursion. Treffpunkt um 6 Uhr bei der Haltestelle Sternen in Niederteufen.

Ziel der Aktion für BiodiversiTAT Teufen war es ein Zuhause für kleine, heimische Wildtiere zu schaffen, deren Lebensgrundlagen in den letzten Jahren vielerorts verloren gingen. Es soll ein Biotop für Igel, Mauswiesel und Hermeline (deren grössere Verwandte), unterschiedliche Eidechsenarten, Blindschleichen usw. gebaut werden. Diese Aktion wurde mit der kantonalen Fachstelle Natur und Landschaft koordiniert und wird von dieser mitfinanziert.

10 Tonnen Steine

Nachdem ein Bagger eine flache Grube in den Südhang oberhalb Teufens gegraben hatte, konnten die Bauarbeiten der neuen «Wohnburg für Wildtiere» am Samstag, 30. April, begonnen werden. Leider regnete es in Strömen und nach zwei Stunden harter Arbeit wurde die Übung abgebrochen. Trotzdem konnte das Fundament mit verschiedengrossen, überdachten Gängen, die zu geschützten, mit Grasbüscheln ausgekleideten Wohnkammern führen, gelegt werden.

Insgesamt standen zehn Paletten Sandstein-Schroppen (Bruchsteine aus dem Steinbruch Bärlocher in Staad) und ein paar Gneisplatten bereit. Mit drei Beton-Schubkarren wurden diese an beiden Einsatztagen vom Lagerplatz bis zur rund 200 m entfernten Baustelle, quer über den Wiesenhang, gekarrt und ausgekippt.

Gänge, Kammern, Hohlräume

Nach einem grob aufgezeichneten Plan, instruierte Andreas Kuster die Anwesenden, bevor es am drauffolgenden Samstagnachmittag wieder losging. Das Wetter war dieses Mal geradezu ideal; bedeckt, nur vereinzelte Tropfen Nieselregen, bei angenehmen 13-15 Grad.

Die sechs Helferinnen und Helfer gaben während gut zwei Stunden alles. Da schoss – ohne Aussenhitze – schon die eine oder andere Schweissperle aus den Poren. Stein für Stein fand seinen richtigen Platz. Es galt passende Gänge und Kammern (eine Art Wohnzimmer) für unterschiedliche Tierarten zu bauen. Die Steine sollten im Übrigen so lose wie möglich aufgeschichtet werden, damit viele Hohlräume entstanden.

Zwischendurch wurde kurz miteinander beraten, wo und wie man nun am besten weiterbauen soll. Die vorhandenen Steine sollten optimal platziert und eingeteilt werden. In Abweichung zum Ursprungsplan wurde das Team kreativ und entschied zwei nebeneinander liegende Steinbauten zu errichten, anstelle eines längeren Steinwalls. In der Mitte dazwischen soll ein loser Asthaufen, der künftig noch ergänzt werden kann, zusätzliche Lebensräume für Tiere, Pilze und Pflanzen schaffen. Bei beiden «Burgtürmen» entstanden eine Art «Attika-Wohnkammer» mit einem Gneisplatten-Deckel. Die Wohnkammern wurden, wie auch die unteren «Wohnräume», mit Grasbüscheln ausgekleidet. Auf den darüber liegenden «Dachterrassen» sollen künftig u.a. Eidechsen ein Sonnenbad nehmen können.

Ganzheitliches Biotop

Etwas unterhalb der Wiesel-, Igel-, Eidechsenburg wurde eine Art «Stöckli» errichtet. Eine aus Steinen und einer Granitplatte errichtete Brutkammer unter einem grossen Asthaufen soll Igel, Wiesel, Kröten und Eidechsen als weiterer Unterschlupf, Winterquartier oder Nest dienen.

Oberhalb der Wieselburg wird der aufgeschüttete Erdwall mit dornigen Gehölzen, wie Weissdorn, Mispel, Stachelbeere, Berberitze sowie einer Kornellkirsche und einem Besenginster bepflanzt, um das vom Nordwind geschützte Mikroklima zusätzlich zu unterstützen und den Wall zu stabilisieren.

Zusammen mit den bereits bestehenden, umliegenden Hecken, den nahen Waldabschnitten, der optimalen Südhanglage und der ungemähten, mausreichen Naturwiese rund herum, werden sich einige bedrohte Tierarten hier wieder heimisch fühlen können.

Ein flinkes Hermelin wurde bereits vor Ort gesichtet. Dieses unterscheidet sich vom etwas kleineren Mauswiesel v.a. durch die schwarze Schwanzspitze, die in allen Jahreszeiten unverändert bleibt, auch wenn die Tiere speziell in kalten Wintern ein weisses Fell haben können. Während den Bauarbeiten zeigte sich zudem eine wunderschöne Blindschleiche unter einer Gneisplatte, als diese angehoben wurde.

Nach einem Becher Most oder einem Fläschchen Bier, etwas Salsiz, Käse und Zopfbrot gingen alle Beteiligten zufrieden mit dem Ergebnis und etwas lahmen Muskeln in ihre eigenen Stuben zurück.

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